Zum 60-jährigen Bestehen der Karl-Foerster-Stiftung versammelt das Jubiläumsfest am 30. und 31. Oktober 2026 in Berlin Persönlichkeiten aus Landschaftsarchitektur, Pflanzenverwendung, Gartenkultur und Forschung. Ihre Beiträge eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf die Zukunft der Pflanzenverwendung – von urbanen Bäumen und robusten Pflanzengemeinschaften über Gestaltung und Atmosphäre bis zu Pflanzen als kulturellen Akteuren.
Moderiert wird der Jubiläumstag von Bettina Jaugstetter, Landschaftsarchitektin, Dozentin für Pflanzenverwendung und einer profilierten Spezialisten für Pflanzenverwendung
Auf einem Blick
Bettina Jaugstetter
Landschaftsarchitektin und Dozentin, Weinheim
Moderation
Bettina Jaugstetter ist freie Landschaftsarchitektin, Dozentin für Pflanzenverwendung und eine profilierte Spezialistin für Staudenverwendung. Ihre Pflanzungen verbinden gestalterische Qualität, Pflanzenkenntnis, Standortbewusstsein und langfristig verantwortbare Pflege.
Das von ihr entwickelte Freiflächenkonzept am ABB-Standort Ladenburg wurde 2017 mit der Karl-Foerster-Auszeichnung gewürdigt. Es zeigt beispielhaft, wie differenzierte Stauden- und Gräserpflanzungen industriell geprägte Orte in atmosphärisch dichte und ökologisch wirksame Freiräume verwandeln können.
2023 initiierte Bettina Jaugstetter gemeinsam mit Anna Lena Hahn das internationale Symposium „The Dynamic Vision“ auf der BUGA 2023 in Mannheim. Die Tagung brachte über 430 Fachleute aus 27 Ländern zusammen und wurde zu einem wichtigen Forum für aktuelle Fragen der Pflanzenverwendung.
Als Moderatorin des Jubiläumstags der Karl-Foerster-Stiftung verbindet Bettina Jaugstetter Planungserfahrung, gärtnerische Fachkenntnis, Lehre und internationale Vernetzung. Sie führt die Beiträge aus Wissenschaft, Praxis und Kulturgeschichte zusammen und eröffnet das Gespräch über die Zukunft der Pflanzenverwendung.
Dr. Henrik Sjöman,
Wissenschafatlicher Kurator am Botanischen Garten Göteborg · SLU Alnarp
Urban tree selection for climate and functions – evidence-based approach when creating the urban forest of tomorrow
Dr. Henrik Sjöman ist Wissenschaftlicher Kurator am Botanischen Garten Göteborg sowie Associate Professor, Forscher und Lehrender an der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften (SLU) in Alnarp. Zudem ist er Honorary Research Associate an den Royal Botanic Gardens, Kew. Seine Arbeit verbindet Botanik, Dendrologie und Landschaftsarchitektur mit der Frage, welche Bäume und Gehölze unter den sich verändernden Bedingungen der Städte dauerhaft bestehen und zugleich wirksam werden können.
Seine 2012 an der SLU verteidigte Dissertation trägt den Titel Trees for tough urban sites – learning from nature. Darin entwickelte er einen Ansatz, Baumarten für stark beanspruchte innerstädtische Standorte anhand ihrer natürlichen Lebensräume und ökologischen Eigenschaften auszuwählen. Forschungsaufenthalte an der Cornell University und am Botanischen Garten Tbilisi sowie langjährige Feldstudien unter anderem in China, Rumänien, im Kaukasus und in Nordamerika haben diesen Ansatz weiter vertieft.
In seinem Vortrag „Urban tree selection for climate and functions – evidence-based approach when creating the urban forest of tomorrow“ erläutert Henrik Sjöman, wie sich Baumarten und Herkünfte nach Standort, Klimarisiken und den gewünschten Funktionen auswählen lassen. Im Mittelpunkt stehen Bäume, die Hitze, Trockenheit, zeitweilige Überflutung und andere urbane Belastungen bewältigen und zugleich Schatten, Kühlung, Biodiversität und weitere Ökosystemleistungen ermöglichen. Sein Plädoyer gilt einer vielfältigen, wissensbasierten und langfristig verantworteten Stadtbaumkultur.
Prof. Dr. Norbert Kühn
Fachgebiet Vegetationstechnik und Pflanzenverwendung, Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung, TU Berlin
Designing Urban Nature — Herausforderungen für das Grün in der Stadt
Prof. Dr. Norbert Kühn ist Landschaftsarchitekt und Vegetationsökologe. Seit 2003 leitet er das Fachgebiet Vegetationstechnik und Pflanzenverwendung am Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der Technischen Universität Berlin. Seine Forschung und Lehre befassen sich mit der Verwendung von Pflanzen in Stadt und Landschaft, mit Vegetationstechnik sowie mit den Folgen des Klimawandels für urbane Freiräume.
In seinem Vortrag „Designing Urban Nature – Herausforderungen für das Grün in der Stadt“ nimmt er die Stadt als einen Ort in den Blick, an dem Natur nicht nur geschützt, sondern aktiv entworfen, entwickelt und gepflegt werden muss. Dabei geht es um die gestalterischen wie ökologischen Potenziale einer vielfältigen Stadtnatur – von spontaner Vegetation über Staudenpflanzungen bis zu Gehölzen und grüner Infrastruktur. Für die Zukunft der Pflanzenverwendung sieht Kühn in Kenntnis, Experimentierfreude und langfristiger Pflege die entscheidenden Voraussetzungen.
Giacomo Guzzon
Landschaftsarchitekt, Leiter Bereich Pflanzenverwendung im Büro Gillespies, London
Gestaltung widerstandsfähiger Pflanzengemeinschaften im öffentlichen Raum – Praxis und Forschung
Giacomo Guzzon ist Leitender Landschaftsarchitekt und Leiter Pflanzenverwendung beim international tätigen Londoner Büro Gillespies. Dort verantwortet er die Entwicklung von Pflanzkonzepten und arbeitet an einer Landschaftsarchitektur, in der Pflanzen nicht als nachträgliche Ausstattung, sondern als tragende Entwurfs- und Infrastrukturkomponente verstanden werden.
Neben seiner praktischen Tätigkeit lehrt er Pflanzgestaltung an Hochschulen und Designschulen in Großbritannien. An der Technischen Universität Berlin promoviert er über die Auswahl von Sträuchern für trockene urbane Standorte unter den Bedingungen der globalen Erwärmung. Seine Arbeit bewegt sich somit bewusst zwischen Forschung, gärtnerischer Erfahrung und gestalterischer Praxis.
In seinem Vortrag „Gestaltung widerstandsfähiger Pflanzengemeinschaften im öffentlichen Raum – Praxis und Forschung“ zeigt Giacomo Guzzon, wie sich ästhetische Wirkung, ökologische Vielfalt und Robustheit verbinden lassen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie öffentliche Pflanzungen auf klimatische Veränderungen reagieren und zugleich Charakter, Atmosphäre und Identität städtischer Orte prägen können.
Severin Krieger
Landschaftsarchitekt, Büro Grünklang, Winterthur
Pflanzkomposition und Atmosphäre
Severin Krieger ist Landschaftsarchitekt, Pflanzplaner und Gründer des Büros Grünklang für Pflanzkomposition und Landschaftsarchitektur in Winterthur. Sein Büro entwickelt Bepflanzungen in unterschiedlichen Maßstäben: von urbanen Räumen bis zu Anlagen im historischen Kontext. Dabei verbindet er eine genaue Pflanzenkenntnis mit einem ausgeprägten Interesse an Form, Farbe, Textur, Jahreszeiten und den zeitlichen Entwicklungen von Pflanzungen.
Neben seiner planerischen Arbeit lehrt er als Dozent Pflanzenverwendung an TU München und als Gast-Dozent an OST Rapperswil.
Seine Projekte und Vorträge zeigen, dass Pflanzplanung zugleich analytisch, experimentell und sinnlich sein kann: Pflanzen erzeugen Rhythmen, Dominanzen, Übergänge und atmosphärische Dichte.
Sein Vortrag „Pflanzkomposition und Atmosphäre“ richtet den Blick auf die gestalterische Eigenkraft der Pflanze. Er fragt danach, wie Pflanzungen Räume prägen, Wahrnehmung lenken und über die Jahreszeiten hinweg eine unverwechselbare Stimmung hervorbringen können.
Dr. Anna Lena Hahn
Landschaftsgestalterin und Dozentin, Angers
Paris – Nantes: eine Achse gärtnerischer Innovation
Dr. Anna Lena Hahn ist Landschaftsgestalterin und Forscherin mit Arbeitsort Frankreich. Sie lehrt an der École nationale supérieure de paysage in Angers und arbeitet in ihrer Praxis mit Résonance UP und BACSAC. Ihre Tätigkeit verbindet Entwurf, Forschung und Lehre; im Mittelpunkt stehen Landschaften, die durch industrielle Nutzung, Störung und Wandel geprägt sind.
Aufgewachsen im postindustriellen Ruhrgebiet, beschäftigt sie sich mit der Frage, wie ökologische Gestaltungsansätze geschädigte und überformte Orte erneuern können. Pflanzen und gärtnerische Prozesse begreift sie dabei nicht als dekorative Ergänzung, sondern als Träger von Regeneration, Nutzung und kultureller Bedeutung.
Ihr Vortrag „Paris – Nantes: eine Achse gärtnerischer Innovation“ führt in zwei Städte und ihre jeweiligen Netzwerke aus Gärten, Landschaftsarchitektur, Forschung und Pflanzenproduktion. Er beleuchtet, wie aus dem Austausch zwischen Praxis, Experiment und öffentlicher Freiraumgestaltung neue Impulse für die Pflanzenverwendung entstehen können.
Prof. Dr. Sonja Dümpelmann
Professorin für Environmental Humanities und Co-Direktorin des Rachel Carson Center an der LMU München
Pflanzen überall! Poesie, Macht, Ausdauer
Prof. Dr. Dümpelmann. ©Eric Sucar
Prof. Dr.-Ing. Sonja Dümpelmann ist Professorin für Environmental Humanities an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Co-Direktorin des Rachel Carson Center for Environment and Society. Als Historikerin urbaner Landschaften und Umwelt befasst sie sich insbesondere mit den gebauten und gelebten Umwelten des 19. und 20. Jahrhunderts in Europa und den Vereinigten Staaten.
Ihre Forschung verbindet Landschafts- und Stadtbaugeschichte mit den Environmental Humanities. Dabei richtet sie den Blick auf Pflanzen als wirksame Bestandteile von Städten, auf ihre symbolischen Bedeutungen, ihre materiellen Funktionen und ihre politischen Dimensionen. Zu ihren jüngeren Veröffentlichungen zählt Seeing Trees: A History of Street Trees in New York City and Berlin.
In ihrem Vortrag „Pflanzen überall! Poesie, Macht, Ausdauer“ eröffnet Sonja Dümpelmann einen kulturhistorischen Blick auf Pflanzen in urbanen Lebenswelten. Sie zeigt, dass Pflanzen nicht bloß Kulisse oder Dekoration sind: Sie strukturieren Räume, tragen Erinnerungen, machen gesellschaftliche Verhältnisse sichtbar und behaupten sich oft eigensinnig in der Stadt.
